Die Passung erkennen: So nutzt du Vorstellungsgespräche bestmöglich
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Im Vorstellungsgespräch bekommst du genau die Informationen, die du brauchst, um die Passung zwischen Mensch und Stelle zu beurteilen. Zugleich zeichnest du ein Bild deines Unternehmens und davon, wie man dort miteinander umgeht. Eine anspruchsvolle Aufgabe, für die du eine gute Basis aus Struktur und Haltung brauchst.
Unstrukturierte Gespräche kosten Ansehen, Zeit und Geld
Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Und was passiert häufig zu Beginn eines Vorstellungsgesprächs? Eine Führungskraft kommt zu spät, begrüßt die bewerbende Person flüchtig und entschuldigt sich, während sie Platz nimmt. Vielleicht hat sie nur kurz in die Unterlagen geschaut, und der Blick auf die Uhr zeigt: Statt der angekündigten 60 bleiben nur noch 30 Minuten.
Das konnte man sich leisten, als Unternehmen sich die Bewerbenden aussuchen konnten. Heute bewerben sich die Unternehmen bei den Menschen. Dabei geht es nicht um Anbiedern, sondern darum, sich realistisch zu zeigen. Denn kaum ein Führungsfehler wiegt schwerer, als falsche Hoffnungen zu wecken, die schnell wieder zerplatzen.
Wer einen realistischen Eindruck hinterlassen will, bereitet sich gut vor, sorgt für eine angenehme Umgebung und eine sympathische Begrüßung und nimmt sich ausreichend Zeit. Und versetzt sich dabei in die Lage der bewerbenden Person. Diese scheinbar einfachen Dinge kann man gar nicht überschätzen.
Jede Minute im Gespräch ist kostbar. Du solltest deshalb von Anfang an wissen, wo du ansetzen willst, um das zu erfahren, was du für deine Einschätzung brauchst. Ich selbst führe Gespräche vor Ort deshalb nur, wenn ich vorher mit der Person telefoniert oder per Video gesprochen habe.
Was kostet eine Fehlbesetzung? Gängige Schätzungen gehen von etwa einem Jahresgehalt aus, in Einzelfällen von deutlich mehr. Der eigentliche Schaden ist oft noch größer, weil die verlorene Zeit dem Unternehmen strategische Nachteile im Markt einbringt. Stellen richtig zu besetzen, gehört deshalb zu den wichtigsten Aufgaben einer Führungskraft.
Was gut geführte Gespräche bringen
Stell dir vor: Nach der ersten Gesprächsrunde mit sieben Bewerbenden erkennst du nach einem kurzen Blick in deine Notizen sofort die drei aussichtsreichsten. Und du weißt genau, welche Knackpunkte du im zweiten Gespräch klären willst. Dann ist der Besetzungsprozess gut in der Spur.
Wichtig ist, in der Vorbereitung möglichst objektiv auf die Stelle zu schauen und drei Fragen zu beantworten:
- Warum gibt es diese Stelle, und welche Ergebnisse soll die Person erreichen?
- Was muss die Person mitbringen, damit die Erfolgschancen möglichst hoch sind?
- Passen ihre menschlichen Kompetenzen und persönlichen Werte zur Stelle und zum Unternehmen?
Auch wenn es noch keine ausgearbeitete Stellenbeschreibung und kein Anforderungsprofil gibt (die du dann bald erstellen solltest), entwirfst du mit Stichpunkten zu diesen drei Fragen eine erste Struktur. Damit bist du auch gut gerüstet, um die Fragen der Bewerbenden zu beantworten.
Ohne Struktur redet man um den heißen Brei herum, wiederholt sich, muss nachhaken, übersieht Wichtiges und kommt vom Hundertsten ins Tausendste. Das stresst, kostet Energie und hinterlässt einen schlechten Eindruck. Mit klaren Strukturen, Checklisten und Leitfäden bereitest du dich mit wenig Aufwand vor und vergisst nichts. Aber Achtung: Klebe nicht an der Struktur, sondern reagiere flexibel, um zu erfahren, was du wissen willst.
Professionell auftreten im Vorstellungsgespräch
Wer noch nicht oft Bewerbungsgespräche geführt hat, kennt das mulmige Gefühl vorher. Es ist auch nicht einfach, professionelle und zugleich angenehme Gespräche zu führen. Verlangt wird viel: Herzlichkeit, gute Inhalte und Zielorientierung. Gleichzeitig sollst du kluge Fragen stellen, Signale wahrnehmen und am Ende alle Eindrücke systematisch zusammenführen, um fundiert zu entscheiden. Eine reife Leistung, aber auch keine Raketenwissenschaft.
Entspannt im Gespräch
Wird ein Gespräch professionell geführt, springt der Funke schnell über. Die bewerbende Person fühlt sich sicher und wohl und öffnet sich. Dann kann die zentrale Frage in den Mittelpunkt rücken, ob sie zur Aufgabe und zum Unternehmen passt. Und jede weitere Minute ist gut genutzt.
Pass aber auf, dass du dich, gerade unter Zeitdruck, nicht nur auf dein eigenes Ziel konzentrierst. Es geht nicht darum, möglichst schnell herauszufinden, ob die Person passt. Das würde sie merken und denken: „Mein Gegenüber sieht mich rein funktional. Ich bin nur eine Figur auf dem Schachbrett.“
Die richtige Kommunikation
Versetz dich in die Lage der bewerbenden Person. Mit welchen Gedanken und Gefühlen kommt sie? Was will sie? Geh dann nach dem Zielsatzprinzip vor: Was soll sie nach dem Gespräch unmittelbar fühlen, denken, sagen oder tun? Dabei kann auch klar werden, dass es nicht passt. Dann brauchst du den Mut und die Professionalität, diese Entscheidung gut und nachvollziehbar zu begründen.
Und tu etwas für dein Arbeitgeberimage: Sorg für eine positive Erfahrung, auch bei einer Absage. Vielleicht lässt sich später wieder anknüpfen, wenn eine passende Stelle frei wird.